Wissen
Alles wichtige auf einen Blick
In unserer Rubrik „Wissen“ finden Sie alle relevanten Informationen rund um das Thema Frühgeborene – kompakt, übersichtlich und leicht verständlich. Ob medizinische Hintergründe, Pflegetipps oder rechtliche Hinweise: Hier haben Sie alles Wichtige schnell zur Hand, um sich optimal zu informieren und jederzeit den Überblick zu behalten.
Wissens Auswahl
-
Frühgeburt
In der Regel erreicht die Nachricht einer drohenden Frühgeburt die betroffenen Familien unerwartet. Waren zuvor noch alle Vorsorgeuntersuchungen unauffällig, kommt plötzlich die Nachricht, dass man stationär auf die Wöchnerinnenstation aufgenommen werden muss – oder es geht direkt in den Operationssaal, da die Geburt des Kindes notwendig wird.
Für viele werdende Eltern ist das zunächst ein Schock – meistens hatten sie dazu noch keinerlei Berührungspunkte mit dem Thema Frühgeburt. Es ist völlig normal, dass dieses Thema viele Unklarheiten und Ängste hervorruft. Ziel dieses Blogs ist es, das Thema Frühgeburtlichkeit transparent darzustellen – wir beginnen deshalb mit der Erklärung einiger Begrifflichkeiten.
Was bedeutet eigentlich Frühgeburtlichkeit?
Definitionsgemäß ist jedes Neugeborene, das vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt, ein Frühgeborenes. Dabei macht es jedoch einen großen Unterschied, ob ein Frühgeborenes einige Tage vor dem errechneten Termin oder sogar mehrere Wochen früher geboren wird. Der Verlauf und die Prognose stehen in einem engen Zusammenhang mit dem Geburtsgewicht sowie dem Gestationsalter (dies ist die „Schwangerschaftsdauer“ und wird in vollendeten Wochen + Tagen vom ersten Tag der letzten Regelblutung der Mutter an gezahlt). Man kann Frühgeborene nach diesen beiden Parametern einteilen:
Einteilung nach Gestationsalter:
< 37+0 SSW – 32+0 SSW = Frühgeburt
< 32+0 SSW – 28+0 SSW = frühe Frühgeburt
< 27+6 SSW – 25+0 SSW = sehr frühe Frühgeburt
< 24+6 SSW = Frühgeburt an der Grenze der Lebensfähigkeit
Einteilung nach Geburtsgewicht
Low birth weight infant (LBW): Geburtstgewicht < 2500 g
Very low birth weight infant (VLBW): Geburtsgewicht < 1500 g
Extremely low birth weight infant (ELBW): < 1000 g
Ab einem Gestationsalter älter als 24+0 SSW und einem Gewicht von mehr als 400 g werden die Überlebenschancen von Frühgeborenen so hoch eingeschätzt, dass eine lebenserhaltende Therapie angestrebt werden sollte. Dies ist so in der Leitlinie der AWMF[1] „Frühgeborene an der Grenze der Lebensfähigkeit“ empfohlen. Da die für die Prognose entscheidenden Parameter wie Schätzgewicht und Gestationsalter großen Ungenauigkeiten unterliegen, werden die Therapiezielentscheidungen unter besonderer Beachtung der elterlichen Wertvorstellungen getroffen. Dies gilt insbesondere auch für die charakterisierte Grauzone. Hier werden in einem bestimmten Bereich abgestimmte
Einzelfallentscheidungen getroffen, wobei eine medizinische Versorgung von Frühgeborenen ab einem Gestationsalter von jünger als 22+0 SSW und einem Gewicht von weniger als 400 g als aussichtslos eingestuft wird. Für die Betreuung von Risikoschwangeren und Frühgeborenen gibt es in Deutschland spezialisierte Zentren, welche nach ihren Versorgungsmöglichkeiten und den Kompetenzen der zusammenarbeitenden Berufsgruppen in verschiedene Level eingruppiert werden. Die Einteilung erfolgt auch hier nach einem ausgearbeiteten Stufensystem gemäß der AWMF-Leitlinie „Empfehlungen für die strukturelle Voraussetzungen der perinatologischen Versorgung in Deutschland“. Dabei werden sowohl Qualitätskriterien für die Geburtshilfe, wie auch für die Versorgung der Früh- und Neugeborenen berücksichtigt.
Schwangere mit einer drohender Frühgeburt sollten – sofern möglich – an ein qualifiziertes Zentrum verlegt werden, um eine optimale Versorgung von Mutter und Kind zu gewährleisten. Zusammengefasst wird wie folgt differenziert: Level IV: Geburtshilfliche Abteilung ohne angeschlossene Kinderklinik (Geburtsklinik), Kooperation mit Kinderklinik für Notfallbetreuung Level III: Geburtshilfliche Abteilung mit angeschlossener Kinderklinik Level II: Perinatalzentrum 2 für Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht > 1250 g oder > 28+0 SSW Level I: Perinatalzentrum 1 für Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht < 1250 g oder < 28 +0 SSW, bei fetalen oder mütterlichen Erkrankungen, die eine intensivmedizinische Behandlung wahrscheinlich machen.
Weitere Details können den jeweiligen Leitlinien entnommen werden. Das Universitätsklinikum Leipzig ist ein Perinatalzentrum der Versorgungsstufe I. jährlich werden auf der neonatologischen Intensivstation und neonatologischen Überwachungsstation ca. 800 Frühchen versorgt.
Wir von den Minilöwen arbeiten an dem Ziel, sowohl die medizinische Versorgung von Früh- und Neugeborenen auf unseren Stationen noch weiter zu verbessern, als auch die Eltern bei der Bewältigung der besonderen Situation zu unterstützen. Der Blog soll ein Teil dieser Unterstützung sein und mithilfe von Informationen etwas mehr Klarheit über die Strukturen und Abläufe der neonatologischen Intensivmedizin vermitteln.
Quellen:
www.thieme-connect.de
www.eref.thieme.de
www.awmf.orgLeitlinien:
S2k-Leitlinie Frühgeborene an der Grenze der Lebensfähigkeit
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/024-019
S2k-Leitlinie Empfehlungen für die strukturellen
Voraussetzungen der perinatologischen Versorgung in
Deutschland
https://register.awmf.org/assets/guidelines/087-001l_S2k_Empfehlungen- strukturelle-Voraussetzungen-perinatologische-Versorgung-Deutschland__2021- 04_01.pdf -
Ursachen und Risikofaktoren
In unserem heutigen Blogartikel wollen wir uns mit einem wichtigen Thema auseinandersetzen – den Risikofaktoren und Ursachen für Frühgeburtlichkeit. Es ist verständlich, dass ihr euch fragt, warum euer kleiner Schatz zu früh auf die Welt kommen musste. Häufig erfahren wir, dass Mütter von Schuldgefühlen geplagt sind und sich fragen, ob sie etwas hätten anders machen können, um eine Frühgeburt zu vermeiden. Aus diesem Grund möchten wir mit diesem Artikel einen Überblick über mögliche Szenarien geben und euch helfen, ein besseres Verständnis für dieses Thema zu erlangen.
Wenn Kinder vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, wird wie folgt unterschieden:
● als „spontane Frühgeburten“ werden Kinder bezeichnet, die aufgrund von vorzeitig einsetzenden, spontanen und nicht mehr aufzuhaltenden Wehen oder aufgrund einesvorzeitigen Blasensprungs geboren werden
● zu den „induzierten Frühgeburten“ zählen jene, bei denen eine Einleitung von Wehen beziehungsweise ein geplanter Kaiserschnitt aus fetaler (kindlicher) oder mütterlicher medizinischer Indikation durchgeführt wird. Letzteres bedeutet, dass das Kind absichtlich verfrüht auf die Welt geholt wird, weil ein Erhalt der Schwangerschaft unter den gegebenen Umständen zu einer Schädigung des Fetus oder der werdenden Mutter führen könnte.
Es ist wichtig zu betonen, dass in vielen Fällen keine genaue Ursache für die Frühgeburt festgelegt werden kann. Häufig wird davon ausgegangen, dass eine Kombination aus verschiedenen Faktoren ursächlich ist. Es gibt gewisse Risikofaktoren und Komplikationen während der Schwangerschaft, welche ein vorzeitiges Ende der Schwangerschaft wahrscheinlicher machen. Im Folgenden wollen wir euch ein paar davon näher erklären.
Mütterliche Risikofaktoren umfassen Erkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes mellitus, Asthma und Bluthochdruck. Ein niedriger BMI (Body-Mass-Index) vor der Schwangerschaft kann aufgrund von geringerem Blutvolumen und Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen eine Rolle spielen, während Übergewicht das Risiko von Erkrankungen wie Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) und Diabetes erhöhen kann. Auch demographische Ursachen wie Herkunft, niedriger sozioökonomischer Status und Bildungsstand, sowie niedriges und hohes mütterliches Alter und lediger Familienstand können Frühgeburten begünstigen. Die Schwangerschaftsvorgeschichte, insbesondere wenn bereits ein Frühgeborenes geboren wurde, sowie starker Drogen-, Alkohol- oder Tabakkonsum während der Schwangerschaft sind ebenfalls Risikofaktoren.
Darüber hinaus gibt es sogenannte „Schwangerschaftsmerkmale“, also Besonderheiten der Schwangerschaft, die mit Frühgeburten in Verbindung stehen. Dazu zählen beispielsweise Mehrlingsschwangerschaften oder vaginale Blutungen, außerdem die Plazentastörungen, also Störungen des „Mutterkuchens“ wie die Plazentainsuffizienz (Funktionsmangel des Muttermkuchens), Präeklampsie, Plazenta praevia (die Plazenta liegt vor dem Muttermund) und Abruptio placentae (ein vorzeitiges Ablösen der Plazenta vom Uterus). Auch ein Ungleichgewicht von Fruchtwasser, entweder zu viel (Polyhydramnion) oder zu wenig (Oligohydramnion), kann eine Rolle spielen.
Uteruspathologien (Veränderungen der Gebärmutter) wie Zervixinsuffizienz (mangelnder/ gestörter Verschluss des Muttermundes), Fehlbildungen, Myome (gutartige Geschwulste) und andere Anomalien der Gebärmutter können das Risiko für Frühgeburten erhöhen.
Infektionen, seien es systemische Infektionen, Harnwegsinfektionen, Entzündungen der Vagina, Plazenta oder des Fruchtwassers, können ebenfalls einen Einfluss auf die Entstehung von Frühgeburten haben. Darüberhinaus können fetale Pathologien wie Fehlbildungen und Chromosomenanomalien zu einer vorzeitigen Geburt führen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass eine Frühgeburt oft durch eine komplexe Interaktion verschiedener Faktoren verursacht wird. Im Falle von spontanen Frühgeburten oder medizinischen Indikationen wird in der Regel versucht, die Schwangerschaft so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, aber in einigen Fällen ist ein vorzeitiges Ende nicht vermeidbar. Durch die Identifizierung und das Verständnis dieser Risikofaktoren können jedoch präventive Maßnahmen ergriffen werden, um das Risiko einer Frühgeburt zu minimieren. Keinesfalls sollten sich jedoch die frisch gebackenen Mütter schuldig fühlen für eine Situation, auf die sie keinen Einfluss nehmen konnten.
Quellen:
Goldenberg, R. L., Culhane, J. F., Iams, J. D., &
Romero, R. (2008). Epidemiology and causes of preterm birth.
Lancet (London, England), 371(9606), 75–84.
https://doi.org/10.1016/S0140- 6736(08)60074-4
Genzel-Boroviczény, O., Nussbaum, C.: Checkliste
Neonatologie. Stuttgart, Thieme; 2021.
https://www.obsgyn-wiki.ch/geburtszentrum/fachliche-weisungen/fruehgeburtsbestrebungen-und- frueher-vorzeitiger-blasensprung-pprom -
Erstversorgung
In unserem letzten Blogartikel haben wir uns bereits mit den Herausforderungen der Unreife bei Frühgeborenen auseinandergesetzt und warum die Aufnahme auf spezialisierte Stationen oft unumgänglich ist. Heute möchten wir einen detaillierteren Einblick in das Geschehen nach der Geburt oder einem Kaiserschnitt geben, in jenen magischen Momenten der Elternschaft, in denen man sich normalerweise darauf freut, sein Kind endlich kennenzulernen und in den Armen zu halten.
Es ist wichtig zu betonen, dass die genauen Abläufe und Prozesse in verschiedenen Kliniken variieren können. Dennoch möchten wir in diesem Blogartikel eine allgemeine Vorstellung davon vermitteln, wie die Erstversorgung eures Neugeborenen aussieht, welche Eindrücke es in seinen ersten Lebensstunden sammelt und was alles bei der Aufnahme auf eine neonatologische Station geschieht. Damit möchten wir euch als Eltern einen Einblick in diese kritische Phase verschaffen, an der ihr nicht oder nur eingeschränkt teilnehmen könnt.
Die Entscheidung, Ärzte und Pflegekräfte zur Erstversorgung eines Neugeborenen hinzuzuziehen, erfolgt in einer Vielzahl von Situationen, die die Gesundheit des Babys und der Mutter gefährden können. Dies geschieht zum einen, wenn das Gestationsalter des Babys unter 37 Wochen liegt und es somit als Frühgeborenes gilt, zum anderen bei komplizierten oder längeren Entbindungen, wie etwa bei der Verwendung einer Saugglocke, bei Mehrlingsgeburten, bei Geburten in Beckenendlage, der Gefahr einer Schulterdystokie oder bei Kaiserschnitten. Auch in Notsituationen, wie ein pathologischer Herzschlag im CTG, bei Nabelschnurvorfällen, Infektionen oder beim Vorhandensein von grünem Fruchtwasser oder bei Blutungen während der Geburt, sind medizinische Experten in der Erstversorgung unverzichtbar. Die Erstversorgung ist somit ein entscheidender Schritt, um sicherzustellen, dass die Gesundheit des Neugeborenen und der Mutter gewährleistet ist. In den folgenden Abschnitten werden wir genauer auf die Schritte der Erstversorgung und die Aufnahme auf die neonatologische Station eingehen.
Nach der Entscheidung, dass eine medizinische Betreuung notwendig ist, wird das Neugeborene in die Obhut des ärztlichen und pflegerischen Personals übergeben oder von der Hebamme in den Erstversorgungsraum begleitet. Sofern die Situation es zulässt, wird den Eltern die Gelegenheit gegeben, einen kurzen Blick auf ihr Kind zu werfen oder es sanft zu berühren, um diese ersten Momente des Kontakts zu ermöglichen.
Der erste Schritt in der Erstversorgung erfolgt auf einer vorgewärmten Erstversorgungseinheit, die mit einem Wärmestrahler und warmen Tüchern ausgestattet ist. Hier wird das Neugeborene behutsam abgetrocknet, um Wärmeverluste zu vermeiden und durch diesen Vorgang die zarten Sinne des Babys zu stimulieren und es zur selbstständigen Atmung anzuregen.
Im Anschluss erfolgt in der Regel das Abnabeln, bei dem der lange Nabelschnurrest gekürzt wird, und schmerzfrei Blut aus der Nabelschnur entnommen wird, um einen ersten Gesundheitsstatus zu ermitteln. Gleichzeitig wird die postnatale Anpassung des Kindes beurteilt, in der Regel anhand des APGAR-Scores, der Aussehen (Hautfarbe), Puls, Grundtonus, Atmung und Reflexe bewertet. Ein Monitoring zur Überwachung der Vitalfunktionen wird etabliert, und je nach Situation wird der Zustand des Kindes stabilisiert. Dies kann die Öffnung der Atemwege beinhalten, beispielsweise durch das Absaugen von Verlegungen, das Richten des Kopfes in die richtige Position und gegebenenfalls die Unterstützung der Atmung mit einer Maske oder direkt mit CPAP (Continuous Positive Airway Pressure) oder Intubation, worauf wir in einem späteren Artikel genauer eingehen wollen.
Im Anschluss erfolgt in der Regel die Anlage eines intravenösen Gefäßzugangs, über den das Neugeborene Infusionen erhält, die der Stabilisierung des Kreislaufs und des Blutzuckerspiegels dienen. In vielen Fällen wird auch eine Magensonde gelegt, um zu verhindern, dass der Magen des Babys während der Beatmung mit Luft gefüllt wird, um das Risiko des Erbrechens und einer Aspiration zu minimieren. Später dient diese Magensonde auch der Nahrungsaufnahme, bis das normale Trinken oder Stillen möglich ist.
In Situationen, in denen der Zustand des Kindes es zulässt und eine gewisse Stabilität erreicht wurde, wird heute vermehrt versucht, ein besonderes Bonding zwischen Eltern und ihrem Neugeborenen zu ermöglichen. Dieser wertvolle Moment wird als „Haut-zu-Haut-Bonding“ bezeichnet und erweist sich als äußerst vorteilhaft sowohl für die Eltern als auch für das Kind.
Während dieses Prozesses wird das stabilisierte Kind, selbst wenn es noch auf Beatmungsmaschinen, Monitoring und Infusionen angewiesen ist, zur Mutter oder den Eltern gebracht. Das medizinische und pflegerische Personal betreut und überwacht den Ablauf, um die Sicherheit des Kindes zu gewährleisten. In dieser intimen Umarmung auf der Haut der Eltern kann eine starke emotionale Verbindung entstehen, die für die weitere Entwicklung des Kindes von großer Bedeutung ist.
Nach der Phase der Erstversorgung erfolgt die Verlegung des Neugeborenen auf die spezialisierte Station. Nach dem Transport wird das Kind, wenn noch nicht erfolgt, bei Ankunft auf der Station in ein vorbereitetes Wärmebett oder einen Inkubator gelegt, um eine optimale Umgebungstemperatur aufrechtzuerhalten.
Die Ärzte und Pflegekräfte setzen ihre Bemühungen fort, indem sie das Kind wiegen und vermessen. Zusätzlich zur kontinuierlichen Überwachung von Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Blutdruck und Temperatur werden weitere diagnostische und therapeutische Maßnahmen durchgeführt. Dazu gehören Blutentnahmen zur Überwachung der Laborwerte, Abstriche, um Keimbesiedelungen zu erkennen, und je nach Bedarf Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen.
Verschriebene Medikamente werden verabreicht, Infusionen angepasst, und die ersten Nahrungs-/Kolostrumgaben erfolgen. Bei Bedarf werden auch zentrale Katheter über die Vene oder die Nabelschnur gelegt, um eine bessere Versorgung und Überwachung zu gewährleisten.
Diese Maßnahmen werden möglichst zeitnah nach der Aufnahme auf der Station durchgeführt, um das Kind nach der aufregenden Zeit in Ruhe ankommen zu lassen. Später haben die Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder auf der Station zu besuchen und, wenn möglich, erneut kostbare Kuschelzeit mit ihnen zu verbringen.
Die Station ist nicht nur ein Ort der medizinischen Versorgung, sondern auch ein Ort des Trostes und der Unterstützung, wo das Wohl des Kindes und die Bedürfnisse der Eltern im Mittelpunkt stehen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass das medizinische Personal in diesen Momenten äußerst gewissenhaft arbeitet, um die Gesundheit und das Wohlbefinden eurer Kinder zu gewährleisten und um den kleinen Kämpfern und Kämpferinnen den Start ins Leben so positiv wie möglich zu gestalten.
Mit diesem Artikel ist es uns hoffentlich gelungen, euch einen Einblick in die entscheidende Zeit zu geben, in der ihr als Eltern oft noch nicht bei eurem Neugeborenen sein könnt. Die Erstversorgung und die Aufnahme auf die neonatologische Station sind Momente, die von großer Bedeutung sind und mit vielen Emotionen und Fragen verbunden sind. Wir hoffen, dass wir euch mit diesem Artikel etwas Klarheit über die Abläufe und Herausforderungen in dieser Phase geben konnten.
Quellen:
Teisig, D., Jipp, H.: Neonatologische und pädiatrische
Intensiv- und Anästhesiepflege.Berlin,
Springer; 2016. Genzel-Boroviczény, O., Nussbaum, C.: Checkliste
Neonatologie. Stuttgart, Thieme; 2021. -
Auswirkungen der Frühgeburt
In der aufregenden, aber auch herausfordernden Reise des Elternseins nehmen Frühgeborene eine besondere Rolle ein. Ihre Ankunft in der Welt erfolgt oft unerwartet und bringt eine Vielzahl von Unsicherheiten und Emotionen mit sich. Eines der zentralen Themen, dem sich Eltern von Frühgeborenen gegenübersehen, sind die Auswirkungen der Unreife. Die Frage, was diese „Unreife“ eigentlich bedeutet und welche Besonderheiten dadurch entstehen, soll in diesem Blogartikel etwas genauer beleuchtet werden.
Einen herausfordernden Aspekt stellt die Temperaturregulation dar. Dies resultiert aus verschiedenen Faktoren, darunter die große Körperoberfläche im Verhältnis zum Körpergewicht, der Mangel an Unterhautfettgewebe und die Unreife der Haut. Aufgrund dieser physiologischen Besonderheiten sind Frühgeborene besonders anfällig für einen Wärme- und Flüssigkeitsverlust über die Haut. Dazu kommt, dass ihr Gehirn noch nicht reif genug ist, um die Körpertemperatur effektiv zu steuern, und sie zusätzlich nicht in der Lage sind über ein Muskelzittern ihre Temperatur zu erhöhen. Die Hypothermie, also eine „Untertemperatur“, kann ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen. Deshalb werden unsere Kleinsten lange in Inkubatoren und Wärmebetten versorgt und die Pflegekräfte versuchen sicherzustellen, dass die Eltern mit einer angemessenen Umgebung und richtiger Kleidung ihre Kinder bei der Temperaturregulation unterstützen können.
Die Instabilität der Atmung ist ein weiteres bedeutendes Thema, das bei Frühgeborenen aufgrund ihrer Unreife und der Notwendigkeit der postnatalen Umstellung auf selbstständiges Atmen auftritt. Diese Instabilität resultiert aus verschiedenen Ursachen, darunter das unreife Atemzentrum im Gehirn, ein geringes Lungenvolumen und der Mangel an Surfactant, einer lebenswichtigen oberflächenaktiven Substanz, die das Zusammenfallen der Lungenbläschen während der Ausatmung verhindert. Diese Faktoren führen zu Atemstörungen wie dem Apnoe-Bradykardie-Hypoxämie-Syndrom, bei dem Frühgeborene längere Atempausen erleben, begleitet von einem Abfall der Sauerstoffsättigung und der Herzfrequenz. Die Bewältigung dieser Herausforderung erfordert spezialisierte medizinische Überwachung und Unterstützung. Da die Atmungssituation von Frühgeborenen ein komplexes und wichtiges Thema ist, werden wir in einem späteren Blogartikel genauer auf die Besonderheiten dieser Situation eingehen, um euch ein umfassendes Verständnis zu vermitteln.
Auch die Ernährung von Frühgeborenen birgt zahlreiche Herausforderungen aufgrund ihres erhöhten Energiebedarfs und der Unreife ihres Verdauungssystems. Gründe für Nahrungsunverträglichkeiten sind vielfältig, darunter die reduzierte Produktion von Magensäure, noch nicht vollständig ausgebildete Dünndarmzotten, eingeschränkte Beweglichkeit des Magen-Darm-Traktes und ein Mangel an Enzymen zur Aufspaltung von Eiweiß und Fett. Der gesteigerte Energiebedarf von Frühgeborenen resultiert aus verschiedenen Faktoren, wie dem rapiden Wachstum, geringen Energiereserven, dem Bedarf an zusätzlicher Energie für die Wärmeregulation und die Anstrengungen beim Atmen. Aufgrund ihrer Unreife sind Frühgeborene noch nicht in der Lage, Nahrung auf natürliche Weise durch das Trinken aufzunehmen. Stattdessen erfolgt die Ernährung anfangs enteral über eine in Mund oder Nase liegende Magensonde und gegebenenfalls zusätzlich parenteral über Flüssigkeiten, die über einen in der Vene liegenden Katheter verabreicht werden. Auch hier wollen wir wieder in einem späteren Artikel auf die speziellen Anforderungen und Pflegeaspekte der Ernährung von Frühgeborenen eingehen, um euch zu helfen, die Bedürfnisse eurer Kinder bestmöglich zu verstehen.
Zusammenfassend möchten wir betonen, dass die Herausforderungen, denen Frühgeborene und ihre Eltern gegenüberstehen, weitreichend sind. Neben den bereits skizzierten Themen sind weitere Aspekte zu berücksichtigen. Die Umstellung des Herz-Kreislauf-Systems nach der Geburt, die erhöhte Anfälligkeit für Infektionen aufgrund des unreifen Immunsystems und die eingeschränkte Funktion anderer Organe wie Leber und Niere stellen zusätzliche Belastungen dar. Darüber hinaus gibt es bestimmte Erkrankungen, die bei Frühgeborenen häufiger auftreten. Wir hoffen, dass dieser Artikel dazu beigetragen hat, einen Überblick über die komplexen Bedürfnisse und Herausforderung bei der Betreuung von Frühgeborenen zu schaffen. In Zukunft werden wir auf bestimmte Themen und typische Erkrankungen detaillierter eingehen, um euch noch umfassendere Informationen zu liefern und euch bei dem intensiven und herausfordernden Aufenthalt mit eurem Kind Unterstützung bieten zu können.Quellen:
Teisig, D., Jipp, H.: Neonatologische und pädiatrische
Intensiv- und Anästhesiepflege.Berlin, Springer; 2016.
Genzel-Boroviczény, O., Nussbaum, C.: Checkliste
Neonatologie. Stuttgart, Thieme; 2021. -
Monitoring
In den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt eines Frühchens durchleben Eltern oft eine emotionale Achterbahnfahrt. Jede Information über den Gesundheitszustand ihres Neugeborenen ist von unschätzbarem Wert. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Monitoring – ein Thema, das für viele Eltern auf den ersten Blick einschüchternd wirken kann. Wir möchten die Abschreckung vor den Kabeln genauer erklären und euch einen Einblick in das Ziel und die verschiedenen Möglichkeiten des Monitorings geben.
Das Monitoring von Frühgeborenen hat ein klares Ziel: Es ermöglicht das frühzeitige Erkennen von Veränderungen des Gesundheitszustands, akuten Notfällen und verdeckten Krankheiten. Durch die kontinuierliche Überwachung können wir die Herz-Kreislauf-Funktionen, die Atmung, den Blutdruck und die Temperatur genau im Auge behalten.EKG (Elektrokardiogramm)
Das EKG ist ein Indikator für die Herz- und Kreislauffunktionen. Die Ableitung erfolgt in der Regel über drei Elektroden, meist in den Farben rot, gelb und grün, die auf dem Brustkorb mit speziellem Elektrodengel angebracht werden. Anders als bei den meisten anderen Überwachungssensoren müssen die Elektroden nicht regelmäßig gewechselt werden, sondern nur bei Defekten oder wenn sich die Klebefläche ablöst. Das EKG ermöglicht die kontinuierliche Überwachung der Herzfrequenz (Anzahl der Herzschläge pro Minute) und des Herzrhythmus, um Störungen wie Tachykardien (zu schneller Herzschlag) oder Bradykardien (zu langsamer Herzschlag), sowie Extrasystolen (Herzschläge außerhalb des normalen Rhythmus) frühzeitig zu erkennen. Zusätzlich ist eine Überwachung der Atemfrequenz und des Atemmusters über die Elektroden möglich, die die Atembewegungen des Kindes detektieren.

Blutdruckmessung (NIBP)
Die nicht-invasive Blutdruckmessung (NIBP) misst den arteriellen Blutdruck im Körperkreislauf und erfolgt in der Regel über eine Manschette, die anders als bei Erwachsenen nicht am Arm, sondern am Bein des Früh- oder Neugeborenen angebracht wird. Die Messung erfolgt nicht kontinuierlich, sondern in individuellen Abständen, die je nach Situation von einmal täglich bis zu minütlich variieren können. Die regelmäßige Änderung des Messorts hilft, Druckstellen zu vermeiden.
Am Monitor werden nach der Messung in der Regel drei Werte angezeigt:
1. Wert: systolischer Blutdruck (Maximaldruck in der Aorta während der Auswurfphase des Herzens)
2. Wert: diastolischer Blutdruck (Minimaldruck während der Anspannungsphase des Herzens)
3. Wert: mittlerer arterieller Blutdruck, meist in Klammern angezeigt (errechneter Wert, der ein Maß für die Organdurchblutung darstellt)Pulsoxymetrie
Die Pulsoxymetrie überwacht die arterielle Sauerstoffsättigung und liefert Informationen darüber, wie viel Prozent des verfügbaren Hämoglobins mit Sauerstoff beladen ist. Die kontinuierliche Überwachung ermöglicht das schnelle Erkennen von kritisch niedrigen Werten und schleichenden Veränderungen und damit eine zügige Anpassung der Beatmungsparameter und/oder der Sauerstoffversorgung an die individuellen Bedürfnisse des Kindes. Die Pulsoxymetrie wird über Hautsensoren abgeleitet. Diese bestehen aus einer Lichtquelle, die Licht verschiedener Wellenlänge aussendet, sowie einem Detektor, der die absorbierte Lichtmenge einfängt und in ein elektrisches Signal übersetzt. Der Sensor wird meist an den Füßen oder seltener an den Händen angebracht, und auch hier ist ein regelmäßiger Wechsel zur Schonung der Haut notwendig.

Temperaturüberwachung
Temperaturüberwachung Für die Temperaturüberwachung gibt es verschiedene Möglichkeiten wie zum Beispiel die rektale oder axillare Messung oder eine Messung über Hautsensoren. Wie bereits im Artikel „Auswirkungen der Frühgeburt“ besprochen, ist es für Früh- und Neugeborene aus verschiedenen Gründen besonders schwierig, ihre Körpertemperatur zu regulieren. Daher ermöglicht die kontinuierliche Messung der Temperatur eine zeitnahe und individuelle Anpassung der Einstellungen von Wärmebett und Inkubator an die Bedürfnisse des Kindes. Eine zusätzliche Messung von zwei Temperaturen mit einem Sensor am Körperstamm und einem Sensor in der Peripherie (z.B. Füße) erleichtert das frühzeitige Erkennen von Komplikationen. Eine große Differenz beider Temperaturen kann ein Hinweis auf eine verringerte periphere Durchblutung und damit ein frühes Zeichen für Erkrankungen wie beispielsweise eine Infektion oder ein Volumenmangel sein. Zusätzlich ist eine Überwachung der Atemfrequenz und des Atemmusters über die Elektroden möglich, die die Atembewegungen des Kindes detektieren.Das kontinuierliche, nicht-invasive Monitoring gehört zu den Standardmaßnahmen auf der Intensivstation für Früh- und Neugeborene. Trotzdem kann es regelmäßig zu kleineren technischen Störungen und damit verbundenen Fehlalarmen kommen. Es ist wichtig zu betonen, dass das technische Erfassen von Parametern die klinische Beobachtung durch das pflegerische und ärztliche Personal nicht ersetzen kann. Eine ganzheitliche Betreuung, die sowohl die technischen Aspekte als auch das einfühlsame Handeln und den klinischen Blick der Fachkräfte umfasst, ist entscheidend für die bestmögliche Versorgung unserer kleinen Kämpfer.
Quellen:
Teisig, D., Jipp, H.: Neonatologische und pädiatrische
Intensiv- und Anästhesiepflege. Berlin, Springer; 2016.
Silbernagl, S., Despopoulos, A., Draguhn, A.: Taschenatlas
Physiologie. Stuttgart, Thieme; 2018. Genzel-Boroviczény, O.,
Nussbaum, C.: Checkliste Neonatologie. Stuttgart, Thieme; 2021.
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0042-114342.pdf -
Physiotherapie
„Mein Name ist Susanne Hoppe und ich arbeite als Physiotherapeutin auf der Neonatologie am UKL. Mit diesem Beitrag gebe ich einen kleinen Einblick in die physiotherapeutische Arbeit mit Frühgeborenen und kranken Neugeborenen.
Das Hauptziel unserer Behandlung ist, die Neugeborenen bei der extrauterinen Anpassung – also der Anpassung außerhalb des Bauches – zu unterstützen. Dieses Ziel können wir nur gemeinsam mit allen Bezugspersonen des Neugeborenen erreichen.
Förderung der Sinneswahrnehmung: Ein gutes Gefühl
Neugeborene kommen auf die Welt, da befindet sich die Sinneswahrnehmung noch in der Entwicklung. Außerdem ist die intrauterine Umgebung im Vergleich zur Außenwelt ganz anders beschaffen. In den ersten Wochen und Monaten ist es wichtig, dass die Neugeborenen ihre Umwelt und ihren eigenen Körper lernen wahrzunehmen. Weiterhin lernen sie, auf die wahrgenommenen Reize zu reagieren.
Während der Physiotherapie, werden gezielte Reize gesetzt (Berührung, Sprache, Vibrationen, Klang…) und die Neugeborenen werden dabei begleitet diese Reize zu verarbeiten. Auch eine gute Lagerung und ein entsprechendes Handling können die sensorische Wahrnehmung fördern.
Nur wenn das Neugeborene sensorische Reize aufnehmen und verarbeiten kann, kann es sich selbst wahrnehmen und schließlich Bewegungen gezielt einsetzen.
Atemtherapie: Atmung ist überall
Frühgeborene kommen vor der vollständigen Reifung der Lunge auf die Welt. Dies wird begleitet von unregelmäßigen Atemmustern, Atempausen und Atemnot. In der Atemtherapie unterstützen wir die Atmung der Neugeborenen und fördern die Lungenentwicklung. Sie hilft, die Sauerstoffaufnahme zu verbessern und die Atemmuskulatur zu stärken, auch wird die Belüftung der Lungenareale angeregt.
Neurophysiologische Therapie: Starke Nerven für Alle
Ein unreifes Nervensystem oder Komplikationen wie Hirnblutungen, Unterversorgung des zentralen Nervensystems mit Sauerstoff oder bestimmte genetische Erkrankungen erfordern eine physiotherapeutische Behandlung auf neurophysiologischer Basis für Kinder. Hier werden anhand des klinischen Befundes physiologische Bewegungsmuster angebahnt. Das Ziel ist eine selbstständige Haltungs- und Bewegungskontrolle.
Strukturen lösen oder aktivieren: Vom Festhalten und Loslassen
Im physiotherapeutischen Befund schauen wir, nach der Haltung und den Bewegungsmustern der Neugeborenen. Dabei wird untersucht, ob die Strukturen – wie Muskeln, Gelenke, Organe – so beschaffen sind, dass eine Funktion und Bewegung möglich ist. Ist eine Funktion behindert, so wird die entsprechende Struktur physiotherapeutisch behandelt. Eine Struktur kann sehr fest oder auch durch zu wenig Festigkeit auffällig sein. Dies kann bedingt sein durch die Lage im Mutterleib (z.B. Sichelfuß), durch den Geburtsvorgang (z.B. bei Nutzung einer Saugglocke) oder auch durch Operationen (Narbenbildung). Diese strukturellen Veränderungen, können mittels manueller oder osteopathischer Techniken behandelt werden.
Orofaziale Stimulation: Über Bedürfnisbefriedigung hin zum Wachstum
Frühgeborene haben häufig Schwierigkeiten, effektiv zu saugen und zu schlucken. Auch die Atmung muss während des Trinkens vom Neugeborenen koordiniert werden. Hier kann die Physiotherapie die Muskulatur des Mund-, Kiefer- und Zungenbereichs gezielt stimulieren.
Nicht zu vergessen ist der Mundbereich auch für die Wahrnehmung ein wichtiges Sinnesorgan. Den ersten Hand- Mundkontakt erleben die Embryos bereits im Mutterleib. Sie spüren sich und können sich durch Saugen am Nuckel selbst regulieren. Nuckeln wirkt schmerzlindernd.
Bei komplexeren Schwierigkeiten beim Saug- und Trinkverhalten wird auch interdisziplinär mit der Logopädie zusammengearbeitet.
Die Rolle der Eltern: Eltern werden – Eltern sein
In der Betreuung von Frühgeborenen, ist die Zusammenarbeit mit ihren Eltern ein wesentlicher Bestandteil. Auch in der Physiotherapie ist unser Anliegen mit den Eltern gemeinsame Ziele zu formulieren, Fragen und Schwierigkeiten aufzunehmen und zu klären, Behandlungen zu zeigen und Anleitungen zu geben.
Die physiotherapeutische Behandlung auf der Neonatologie ist ein wichtiger Bestandteil, um die neurologische, motorische und sensorische Entwicklung zu fördern.
Jedes Kind ist einzigartig und wird individuell von uns begleitet und unterstützt.
Dies ist nur ein kleiner Einblick in die physiotherapeutische Behandlung auf der Neonatologie des UKL. Bitte kommen sie bei Fragen oder Anregungen gern auf uns zu.
Susanne Hoppe “

-
optimale Lagerung von Früh- und Neugeborenen
Optimale Lagerung von Früh- und Neugeborenen: Schutz, Geborgenheit und Förderung der Entwicklung
Aber warum ist es so wichtig, Frühgeborene und kranke Neugeborene zu lagern?
Mithilfe der Technik und unseren Hilfsmitteln auf Station können wir z.B. durch Inkubatoren die Wärme und Feuchte des Mutterleibes nachahmen. Was wir aber nur bedingt können ist den ununterbrochenen Haut-zu-Haut Kontakt herstellen, der für unsere kleinen Kämpfer so unfassbar wichtig ist.
Dank der neuen Lagerungskissen können wir unseren kleinen Patient: innen nicht nur einen geschützten und geborgenen Raum schaffen, sondern auch ihre Entwicklung durch gezielte Lagerung bestmöglich fördern. Unabhängig davon, welche Erkrankung sie mitbringen oder ob sie im Inkubator oder im Wärmebettchen liegen – die Kissen lassen sich individuell anpassen. Ob Rücken-, Seiten- oder Bauchlage – mit den verschiedenen Modellen können wir jede Positionierung bedarfsgerecht und liebevoll umsetzen.
Förderung der Entwicklung durch gezielte Lagerung
Es ist wissenschaftlich belegt, dass eine gezielte Lagerung die sensorische und neurologische Entwicklung von Früh- und Neugeborenen erheblich verbessern kann. So werden Hand-Mund aber auch Hand-Hand Kontakt gefördert und das Kind kann sich an der Begrenzung mit den Füßen orientieren und abstoßen, wodurch die eigenen Körperwahrnehmung, Stützaktivität und die Selbstregulation gestärkt werden.
Durch spezifische Lagerungen kann die physiologische Atmung gefördert, die Lungendurchblutung verbessert und das Lockern von Sekret erleichtert werden. Außerdem kann sie das Schmerzempfinden reduzieren und die Schlafqualität der Kinder verbessern – alles Faktoren, die zu einer schnelleren Genesung und einem besseren Wohlbefinden führen können.

Vielfältige Lagerungsmöglichkeiten mit „Benjamin Care“
Unsere Lagerungshilfsmittel gibt es in verschiedenen Formen, ob sternförmig, „Knochenähnlich“ oder wie lange Greifarme. Durch verschiedene Größen profitieren nicht nur unsere kleinsten Frühchen ab 500g davon, sondern auch Neugeborene bis über 5kg. Alle Mitarbeitenden unserer Neonatologie wurden in die Handhabung eingewiesen. Gemeinsam mit unseren Kolleginnen aus der Physiotherapie arbeiten wir kontinuierlich daran, eine patientenbezogene und optimale Versorgung sicherzustellen. Ein wichtiger Bestandteil unserer Pflege ist die richtige Lagerung, die wir als Abschluss jeder Pflegerunde umsetzen. So verbessern wir das Wohlbefinden und die bestmögliche Unterstützung für unsere kleinen Patient: innen.
Wir wollen Euch ein paar Besonderheiten dieser Lagerungen aufzeigen:
Die Rückenlage:
Sie sorgt dafür, dass die Körpersymmetrie des Kindes verbessert wird und einer Kopfverformung vorgebeugt wird. Man lagert das Kind in einer Nestchenlagerung, also wie in einem „Nest“, sodass das Kind eng den Füßen begrenzt wird. Sie ähnelt am ehesten der Position im Mutterleib
Die Seitenlage:
Die Seitenlage wird regelmäßig gewechselt – es sei denn, eine ärztliche Anordnung schreibt aus medizinischen Gründen etwas anderes vor. So kann das Kind sich selbst und seine Umgebung besser wahrnehmen. Eine durchgehende Begrenzung von Kopf bis Fuß vermittelt Stabilität und Geborgenheit. Gleichzeitig hat das Kind die Möglichkeit, seine Hände selbstständig zum Gesicht oder zum Mund zu führen.
Die Bauchlage:
In der Bauchlage werden die Kinder auf einer Art „Steg“ positioniert, auf dem sie achsengerecht gelagert werden. Einen positiven Effekt kann die Bauchlage für den Magen-Darm-Trakt haben, indem es die Nahrungeverträglichkeit verbessert, da die Peristaltik angeregt wird und Blähungen gelöst werden können. Ebenso bietet die Bauchlage Vorteile bei der Atemregulation, wodurch es zu verminderten Apnoen, also Atemaussetzern, kommt und die Lungenfunktion im Allgemeinen verbessert werden kann. Auch bei dieser Positionierung wird das Kind in seiner Körperwahrnehmung gestärkt und durch eine abschließende Umrandung an den Füßen hat das Kind wieder die Möglichkeit sich abzustützen.
Quellen:
Wagner U: Positionierung: Lagerungen und Positionswechsel. München: Elsevier, 2012.
-
Hyperbilirubinämie
Wenn Babys gelb werden – was hinter der Neugeborenengelbsucht steckt
Viele Eltern kennen es: Nach den ersten Tagen wirkt die Haut ihres Babys plötzlich gelblich – häufig sieht man das besonders gut in den Augen (Skleren). Was steckt dahinter?
Keine Sorge: In den meisten Fällen ist das völlig harmlos und vorübergehend. In diesem Beitrag möchten wir Euch über die sogenannte Neugeborenengelbsucht (medizinisch: Neugeborenenikterus oder Hyperbilirubinämie) informieren – was sie bedeutet, wie sie entsteht und wie sie behandelt wird.
Was ist Neugeborenengelbsucht überhaupt?
Die gelbliche Verfärbung der Haut und Augen wird durch einen Stoff namens Bilirubin verursacht. Dieser entsteht beim Abbau von Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff, der Sauerstoff im Körper transportiert.
Nach der Geburt wird das sogenannte fetale Hämoglobin – das die Babys im Mutterleib für die Sauerstoffversorgung gebraucht haben – nicht mehr benötigt. Es wird nun nach und nach durch „normales“ Hämoglobin ersetzt. Dabei entsteht mehr Bilirubin als gewöhnlich.
Damit der Körper diesen Stoff ausscheiden kann, muss er in der Leber in eine wasserlösliche Form umgewandelt werden. Bei Neugeborenen – insbesondere bei Frühchen – ist die Leber aber oft noch nicht ganz ausgereift. Das führt dazu, dass das überschüssige Bilirubin nicht schnell genug abgebaut werden kann und sich stattdessen in der Haut und den Augen ablagert – so wird die gelbe Färbung sichtbar.
Wann ist das normal – und wann wird’s kritisch?
In den allermeisten Fällen ist die Gelbsucht harmlos und vorübergehend. Sie tritt bei vielen gesunden Neugeborenen in den ersten Lebenstagen auf und verschwindet von selbst wieder.
Aber: Wenn der Bilirubinwert zu stark ansteigt, kann das gefährlich werden. In sehr hohen Konzentrationen kann Bilirubin die Blut-Hirn-Schranke überwinden und das Gehirn schädigen. Deshalb ist es wichtig, die Kinder gut zu beobachten, regelmäßige Kontrollen durchzuführen und bei Bedarf eine Therapie einzuleiten.
Risikofaktoren für eine stärkere Gelbsucht
Einige Babys haben ein höheres Risiko für eine ausgeprägte Hyperbilirubinämie. Dazu zählen unter anderem:
- Frühgeborene
- Kinder mit Geburtsverletzungen (z. B. Hämatome nach Saugglockengeburt)
- Rhesus- oder AB0-Unverträglichkeit zwischen Mutter und Kind
- Starker Gewichtsverlust nach der Geburt (häufig bei gestillten Säuglingen)
- Familiäre Vorbelastung
- Verzögerter erster Stuhlgang (Mekoniumausscheidung)
Wie wird Gelbsucht festgestellt?
Zur Kontrolle des Bilirubinwertes werden meistens Blutuntersuchungen durchgeführt. In manchen Fällen kann der Wert auch nicht-invasiv mit einem speziellen Gerät über die Haut gemessen werden – das ist sanfter, aber weniger genau und nicht immer geeignet.
Die Beurteilung erfolgt anhand von Grenzwerten, die sich nach dem Alter des Kindes und dem Schwangerschaftsalter richten.
Was hilft gegen die Gelbfärbung?
Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen ist keine aufwendige Behandlung notwendig. Oft reicht es, wenn die Kinder ausreichend Flüssigkeit bekommen – zum Beispiel durch Muttermilch, Formulanahrung oder bei Bedarf über eine Infusion. Auch ein gutes Stillmanagement hilft viel!
Bei höheren Bilirubinwerten wird in der Regel eine Phototherapie durchgeführt:
💡 Was ist Phototherapie?
Dabei wird die Haut des Babys mit blauem Licht bestrahlt – wie Ihr auf unseren Fotos sehen könnt. Dieses Licht wandelt das Bilirubin in eine wasserlösliche Form um, die dann ganz normal über Urin und Stuhl ausgeschieden werden kann. Daher kann es auch sein, dass der Urin in dieser Zeit etwas dunkler oder gelber aussieht – das ist ganz normal!

- Die Phototherapie erfolgt meist diskontinuierlich über 24 Stunden, also mit regelmäßigen Pausen.
- Je nach Verlauf kann sie verlängert oder erneut durchgeführt werden.
- Zum Schutz der Augen tragen die Babys während der Bestrahlung kleine Schutzbrillen.
Dank dieser Therapieform lässt sich die Hyperbilirubinämie in der Regel gut und sicher behandeln.
Fazit: Beobachten, begleiten, beruhigen
Neugeborenengelbsucht ist in den allermeisten Fällen kein Grund zur Sorge, sondern ein normaler Anpassungsprozess nach der Geburt. Wichtig ist, dass die Werte gut überwacht werden – insbesondere bei Risikokindern. Früh erkannt und richtig behandelt, ist die Gelbsucht schnell im Griff.
Habt Vertrauen in Euch, Eure Kinder und das medizinische Team – gemeinsam meistert Ihr auch diese Herausforderung. 💛

Quellen:
S2k-Leitlinie 024/007: Hyperbilirubinämie des Neugeborenen – Diagnostik und Therapie
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0043-113032.pdf
Berns M, Hyperbilirubinämie beim Neugeborenen … Die Hebamme 2017; 30: 263–269
Teisig, D., Jipp, H.: Neonatologische und pädiatrische Intensiv- und Anästhesiepflege. Berlin, Springer; 2016.
-
Atemnotsyndrom
Atemnotsyndrom
Die ersten Atemzüge eines Neugeborenen markieren einen entscheidenden Moment im
Leben, aber insbesondere für Frühgeborene stellt das Atemnotsyndrom (ANS) oder
respiratory distress syndrome (IRDS) eine besondere Herausforderung dar. Diese
Erkrankung, auch als Surfactantmangelsyndrom bekannt, entsteht aufgrund der
strukturellen und funktionellen Unreife der Lunge und einem damit einhergehenden Mangel
an Surfactant. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, das Erscheinungsbild und die
Therapiemöglichkeiten des Atemnotsyndroms.Surfactant und seine Funktionen
Surfactant, abgeleitet von „Surface active agent“, ist ein komplexes Gemisch aus Fetten,
Kohlenhydraten und Proteinen. Diese Substanz wird in den Typ-II-Pneumozyten der Lunge
produziert. Interessanterweise beginnt die Bildung von Surfactant bereits ab der 22./23.
Schwangerschaftswoche, dennoch entfaltet es erst ab der 35./36. Woche seine volle
Funktionalität.
Die Wirkung von Surfactant ist vielfältig und entscheidend für die Atemfunktion der Lunge:
1. Senkung der Oberflächenspannung: Es reduziert die Oberflächenspannung zwischen
der Luft-Wasser-Grenze in den Lungenbläschen. Dadurch wird verhindert, dass die
Lunge nach der Ausatmung zusammenfällt.
2. Dehnbarkeit der Lunge: Surfactant fördert die Dehnbarkeit der Lunge und verringert
die Atemarbeit.
3. Stabilisierung kleiner Bronchien
4. Verbesserter Transport von Atemwegssekreten
5. Immunologische Funktion: Surfactant unterstützt die immunologische Abwehr in der
Lunge.
6. Gasaustausch: Durch all diese Funktionen verbessert Surfactant den Gasaustausch in
der Lunge.Ursachen des Surfactantmangels
Die Unreife der Lunge von Frühgeborenen führt zu einem Mangel an Alveolen, den kleinen
Lungenbläschen, und einem damit einhergehenden quantitativen Mangel an Surfactant
produzierenden Zellen.
Ein weiterer Einflussfaktor kann ein erhöhter Verbrauch von Surfactant sein. Dieser kann
beispielsweise durch Infektionen, Aspiration von Mekonium, Blutungen, übermäßigen
Flüssigkeitsansammlungen in den Lungen und Sauerstoffunterversorgung während der
Geburt entstehen.
Zusätzlich besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung des Atemnotsyndroms bei
mütterlichem Diabetes, Kaiserschnitten und bei einem männlichen Geschlecht des Kindes.Erscheinungsbild
Kinder, die am Atemnotsyndrom leiden, zeigen auffällige Symptome innerhalb der ersten
Lebensstunden. Diese umfassen Tachypnoe (erhöhte Atemfrequenz), Dyspnoe (erhöhte
Atemarbeit) mit Nasenflügeln, Einziehungen in den Brustkorb, stöhnende Atemgeräusche,
Blässe und eine Blauverfärbung der Haut.Therapiemöglichkeiten
1. Prophylaxe bei drohender Frühgeburt: Bei einer drohenden Frühgeburt kann die
Gabe von Glukokortikoiden an die Mutter die Reifungsprozesse der Lunge des
ungeborenen Kindes stimulieren und das Risiko für das Atemnotsyndrom reduzieren.
2. Nach der Geburt:
– CPAP (continous positive airway pressure): diese minimalinvasive
Beatmungsform unterstützt die Atmung und verhindert das Zusammenfallen
der Lunge nach der Ausatmung.
– Surfactant-Gabe: Die direkte Gabe von Surfactant, gewonnen aus Schweineoder Rinderlungen, kann über einen Beatmungsschlauch direkt in die Lunge
erfolgen oder im Rahmen von INSURE (Intubation, Surfactantgabe,
Extubation) mit anschließender CPAP-Therapie. Bevorzugt werden jedoch
minimalinvasive Methoden wie LISA (less invasive surfactant administration).
Hier wird neben der CPAP-Beatmung eine dünne Sonde in die Luftröhre
eingeführt, Surfactant appliziert und die Sonde anschließend entfernt.
Die genannten Therapieansätze haben das gemeinsame Ziel, die Alveolen zu öffnen und die
Austauschfläche für Sauerstoff und Kohlendioxid zu vergrößern. Dies führt zu einer
Verringerung des Sauerstoffbedarfs, verbessert die Atmung und senkt das Risiko für weitere
Komplikationen. -
Apnoe-Bradykardie-Syndrom
Auf den neonatologischen Stationen begegnet einem regelmäßig ein ohrenbetäubendes Signal, wenn man zu Besuch ist – das laute Monitoralarmieren im Zimmer. Dieses Geräusch kann Eltern von Frühgeborenen in Sorge versetzen, doch es ist wichtig zu verstehen, dass es sich dabei oft um das Apnoe-Bradykardie-Syndrom (ABS) handelt, das bei vielen Frühgeborenen auftritt. In diesem Artikel möchten wir euch über dieses Syndrom informieren, um Ängste zu lindern und ein besseres Verständnis für die Situation eurer Kinder zu schaffen.
Ursachen des Monitoralarms
Das häufige Monitoralarmieren im Zimmer ist ein Resultat der Apnoe-Bradykardie-Hypoxämie-Symptomatik. Diese tritt auf, weil das Atemzentrum im sogenannten verlängerten Mark im Gehirn der Frühgeborenen unreif ist und es zu einer periodischen Atmung kommt. Dies bedeutet, dass normale Atemzüge von kurzen Phasen der Apnoe, also des Atemstillstands, unterbrochen werden.
Definitionen im Überblick
Bevor wir tiefer in das Thema eintauchen, lohnt sich ein Blick auf einige grundlegende Definitionen:
- Bradykardie: Eine Abnahme der Herzfrequenz unter 80 Schlägen pro Minute (normalerweise liegt diese bei Frühgeborenen zwischen 140-160 in Ruhe).
- Apnoe: Das vorübergehende Aussetzen der Atmung, meist in Verbindung mit einer Bradykardie.
- Hypoxämie: Eine Sauerstoffsättigung unter 80%.
Pathophysiologie des ABS
Die Pathophysiologie des ABS bei Frühgeborenen ist komplex und hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen. Kleine Lungenvolumina aufgrund von Surfactantmangel und einer instabilen, noch weichen Brustwand tragen dazu bei. Der Hauptatemmuskel, das Zwerchfell, kann sich bei erschwerter Atemarbeit erschöpfen und auch die kleinen, oberen Atemwege können leicht durch beispielsweise Sekret oder falsche Positionen verlegt werden.
Zusätzlich stellt das unreife Atemzentrum eine Herausforderung dar. Im Gegensatz zu Erwachsenen reagiert das Atemzentrum von Frühgeborenen nicht so effektiv auf veränderte CO2-Werte oder Sauerstoffmangel. Bei Erwachsenen führt eine Erhöhung dieser Werte zu einer gesteigerten Atmung. Doch bei Frühgeborenen ist dieser Mechanismus noch nicht ausreichend entwickelt, was zu den charakteristischen Perioden der Apnoe führen kann.
Verstärkende Faktoren
Verschiedene Faktoren können das ABS verschärfen, darunter infektiöse, neurologische Veränderungen wie Krampfanfälle oder Hirnblutungen, Stoffwechsel- und Elektrolytstörungen, Fehlbildungen der Atemwege, Anämie, Hypo- oder Hyperthermie sowie bestimmte Medikamente wie Opiate.
Mögliche Maßnahmen
Im Umgang mit dem Apnoe-Bradykardie-Syndrom (ABS) bei Frühgeborenen sind verschiedene Maßnahmen entscheidend, um eine optimale Betreuung und Früherkennung von Problemen sicherzustellen. Die kontinuierliche Überwachung der Herzfrequenz, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung am Monitor spielt dabei eine zentrale Rolle. Dies ermöglicht eine schnelle Reaktion auf Veränderungen und trägt zur Früherkennung von Apnoe-Bradykardie-Episoden bei.
Bei Atemaussetzern ist ein behutsames Stimulieren des Neugeborenen von Bedeutung, um die Atmung wieder anzuregen. Gleichzeitig sollte auf einen optimalen Umgang mit dem Frühgeborenen geachtet werden. Eine entscheidende Rolle spielt dabei auch die atemunterstützende Lagerung, um die Atemmuskulatur zu entlasten.
Die Verabreichung von Koffeinzitrat unter ärztlicher Aufsicht kann als wirksames Atemstimulans dienen, um Apnoe-Bradykardie-Episoden zu behandeln. Die kontinuierliche positive Atemwegsdrucktherapie (CPAP) bietet eine effektive Möglichkeit, die Atemwege offen zu halten und Atemaussetzer zu verhindern. Bei Bedarf kann auch eine minimale Sauerstoffgabe in Betracht gezogen werden, um eine optimale Sauerstoffsättigung zu gewährleisten. Bei Verlegung der Atemwege, beispielsweise durch Sekret, kann orales oder nasales Absaugen erforderlich werden. Die Maßnahmen sollten individuell auf die Bedürfnisse des Frühgeborenen abgestimmt werden und erfolgen unter enger Abstimmung mit dem medizinischen Team. Die Zusammenarbeit zwischen Eltern und medizinischem Personal spielt eine entscheidende Rolle, um Ängste zu lindern und eine vertrauensvolle Umgebung für die bestmögliche Versorgung des Frühgeborenen zu schaffen.
Quellen:
Teisig, D., Jipp, H.: Neonatologische und pädiatrische Intensiv- und Anästhesiepflege. Berlin, Springer; 2016.
https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/pädiatrie/atemwegsprobleme-bei-neugeborenen/frühgeborenenapnoe -
CPAP
Heute möchten wir euch einen wichtigen Aspekt der Betreuung Frühgeborener näherbringen: die verschiedenen Formen der Beatmung. Dabei unterscheiden wir grundsätzlich zwischen invasiver und nicht-invasiver Beatmung.
Das Ziel ist es immer, so wenig invasiv wie möglich vorzugehen, um die empfindlichen Lungen der kleinen Frühgeborenen zu schützen. In einigen Fällen kann jedoch auch eine invasive Beatmung notwendig werden. Die Entscheidung, welche Beatmungsform für das Kind am geeignetsten ist, wird immer individuell und situationsabhängig getroffen.
Was ist CPAP?
CPAP steht für „continuous positive airway pressure“ (kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck). Diese Beatmungsform erzeugt einen kontinuierlichen Druck in den Atemwegen, der durch den sogenannten PEEP (positive endexpiratory pressure) aufrechterhalten wird. Der PEEP sorgt dafür, dass die Alveolen – die kleinsten Lungenbläschen – nach der Ausatmung nicht zusammenfallen. Dies ist besonders bei Frühgeborenen notwendig, da ihre Lunge aufgrund der Unreife noch nicht vollständig entwickelt ist. Weitere Informationen hierzu findet ihr in unserem Artikel zum Atemnotsyndrom.
Wie funktioniert CPAP?
Die CPAP-Beatmung erfolgt über Masken oder Prongs (Nasentuben), die an einer speziellen Mütze befestigt werden. Wenn ihr die Materialien noch nicht kennt, könnt ihr sie euch einmal auf den Bildern anschauen. Die Masken und Prongs werden bei den Versorgungsrunden regelmäßig gewechselt, um Druckstellen und Hautirritationen zu vermeiden.
In einigen Fällen kann zusätzlich zum PEEP ein sogenanntes „Backup“ eingestellt werden. Das bedeutet, dass die Maschine eingreift, wenn euer Kind aufgrund der Unreife eine Atempause einlegt. Die Maschine erkennt diese Pause und gibt über eine kurze Zeit Beatmungshübe ab, um die Eigenatmung zu stimulieren und einen Sättigungsabfall zu vermeiden.Vorteile der CPAP-Beatmung
Zusammenfassend bietet die CPAP-Beatmung für Frühgeborene mehrere entscheidende Vorteile:
- Verhindert das Zusammenfallen der Lungenbläschen: Durch den kontinuierlichen Druck bleiben die Alveolen stabil.
- Vergrößerung der Gasaustauschfläche: Dies verbessert den Gasaustausch und verringert den Sauerstoffbedarf.
- Stimulation des Atemzentrums: Die Eigenatmung wird angeregt und stabilisiert.
- Reduktion der Atemarbeit: Ihr Kind ermüdet weniger schnell und verbraucht weniger Energie.
Die CPAP-Beatmung ist eine effektive und schonende Methode, um Frühgeborene in ihrer Atmung zu unterstützen und ihnen den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen.

Quellen:
- Teisig, D., Jipp, H.: Neonatologische und pädiatrische Intensiv- und Anästhesiepflege. Berlin, Springer; 2016.
- Berger TM, Stocker M. Beatmung von Neugeborenen und Säuglingen [Ventilation of newborns and infants]. Anaesthesist. 2004 Aug;53(8):690-701. German. doi: 10.1007/s00101-004-0708-y. PMID: 15221119; PMCID: PMC7095974.
- https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/paediatrie/lungenkrankheiten-bei-frueh-und-neugeborenen?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54671-6_57
-
HFNC
Was ist HFNC?
HFNC steht für „High Flow Nasal Cannulae“ und beschreibt eine Beatmungstechnik, bei der über spezielle nasale Kanülen warme und angefeuchtete Luft verabreicht wird. Diese Luft kann mit oder ohne zusätzlichen Sauerstoff verabreicht werden. Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Beatmungsformen ist, dass die Kinder bei HFNC bereits spontan atmen müssen und meist insgesamt nur noch eine geringe Unterstützung benötigen sollten. Im Gegensatz zu anderen Beamtungsformen können bei HFNC keine zusätzlichen Atemhübe eingestellt werden.

Wie funktioniert HFNC?
Die HFNC-Beatmung sorgt durch die kontinuierlich verabreichte Luft für einen positiven endexspiratorischen Atemwegsdruck (PEEP), ähnlich wie bei der CPAP-Beatmung. Dieser PEEP verhindert das Zusammenfallen der Lungenbläschen und unterstützt so die Atmung der Kinder. Die Systeme ähneln optisch klassischen Sauerstoffbrillen, die oft mit Aufklebern oder an Mützen fixiert werden, um ein Verrutschen zu vermeiden.
Wirkung und Vorteile der HFNC-Beatmung
HFNC bietet eine Reihe von Vorteilen für Früh- und Neugeborene:- Verbesserte Sauerstoffaufnahme: Durch den kontinuierlichen Luftstrom und das Offenhalten der Gasaustauschfläche wird die Sauerstoffaufnahme und die Abgabe von Kohlenstoffdioxid verbessert.
- Reduzierter Atemwegswiderstand: Der Atemwegswiderstand wird gesenkt, wodurch sich die Atemarbeit verringert und die Kinder weniger schnell ermüden.
- Patientenkomfort: HFNC wird von den Kindern oft als weniger störend empfunden und besser toleriert, da die verwendeten Kanülen kleiner und weniger invasiv sind.
- Geringerer Druck auf Haut und Nase: Durch die geringere Auflagefläche und die einfache Fixierung wird der Druck auf die Nase und die Gesichtshaut verringert, was Druckstellen und Hautirritationen minimiert.
- Erleichtertes Handling: Das einfachere Handling der HFNC-Systeme erleichtert Bonding, Stillen, Füttern und die Versorgungsrunden, was sowohl für die Eltern als auch für die Betreuungsteams von Vorteil ist.

Fazit
Die HFNC-Beatmung stellt eine schonende und effektive Methode dar, um Frühgeborene in ihrer Atmung zu unterstützen, wenn sie nur noch geringe Hilfe benötigen. Durch die geringere Invasivität und das verbesserte Komfortlevel kann HFNC dabei helfen, den Übergang zur vollständigen Eigenatmung sanfter zu gestalten und den kleinen Patienten den Weg zu einem gesunden Start ins Leben zu ebnen.
Quellen:
- Teisig, D., Jipp, H.: Neonatologische und pädiatrische Intensiv- und Anästhesiepflege. Berlin, Springer; 2016.
- https://www.draeger.com/Content/Documents/Content/NIV-bk-9107972-de.pdf
- Wilkinson D, Andersen C, O’Donnell CPF, De Paoli AG, Manley BJ. High flow nasal cannula for respiratory support in preterm infants.
Cochrane Database of Systematic Reviews 2016, Issue 2. Art. No.: CD006405.
DOI: 10.1002/14651858.CD006405.pub3. Accessed 24 August 2024. - Huang Y, Zhao J, Hua X, Luo K, Shi Y, Lin Z, Tang J, Feng Z, Mu D; Evidence-Based Medicine Group, Neonatologist Society, Chinese Medical Doctor Association. Guidelines for high-flow nasal cannula oxygen therapy in neonates (2022). J Evid Based Med. 2023 Sep;16(3):394-413.
DOI: 10.1111/jebm.12546. Epub 2023 Sep 6. PMID: 37674304.