Wo fängt man an und wo hört man auf… Alles begann am 20.10.2024, an meinem Geburtstag. Ich hatte vor meiner Frühschicht einen Schwangerschaftstest gemacht, weil mein Gefühl mir sagte, dass ich Schwanger bin. Es hat sich in wenigen Minuten bestätigt und eine Mischung aus Freude und Angst war sofort da …
Am 18.02.2025 war die Feindiagnostik in Leipzig. Am Anfang verlief die Untersuchung perfekt – alles sah super aus und dass es wieder ein Junge wird, wurde uns deutlich bestätigt. Dann die Untersuchung der Plazenta und deren Durchblutung und dann sah es plötzlich nicht mehr so gut aus. Der Arzt sagte vorsichtig, dass die Durchblutung zum Kind nicht gut ist und wir uns in 4 Wochen nochmal sehen müssen, wenn die Schwangerschaft bis dahin bestehen bleibt. Da war ich in der 21. Schwangerschaftswoche … das Kind konnte nicht überleben und wir sollten uns zum Thema Frühgeburt informieren, da die Schwangerschaft nicht bis zur 30. Schwangerschaftswoche gehen wird.
Wir standen unter Schock! Die Angst, die so schon da war, wurde unerträglich. Eine Welt brach zusammen. Überforderung, Angst, Verzweiflung und viele, viele Tränen waren 4 Wochen unser Begleiter. Am 18.03.2025 mussten wir wieder zur Feindiagnostik in Leipzig. Es war die 24+5 Schwangerschaftswoche und die wichtigste Nachricht: „Das Kind lebt“, war für uns am schönsten, aber die Frage wie es weiter geht, stand noch im Raum.
Der Arzt kontrollierte wieder alles und dann kam das, wovor wir Angst hatten. Die Nachricht: Fahren sie bitte SOFORT in die Uniklinik, Ihr Baby schafft es nicht mehr lange. Also sind wir auf dem schnellsten Weg in die Uniklinik Leipzig. Dort angekommen wurde ich erneut untersucht und es hieß stationäre Aufnahme, dreimal täglich CTG und die Lungenreifespritze. Wir versuchten jeden Tag dazu zugewinnen, weil es so wichtig für den kleinen Mann war. Ich wusste, aus dem Krankenhaus gehst du erst wieder heraus, wenn du nicht mehr Schwanger bist. Jeden Tag hatten wir Angst, was passieren wird und ob unser Sohn überlebt. Am 24.03.2025 wurde der Ultraschall auf nachmittags verschoben und bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass die Schwangerschaft nicht mehr erhalten werden kann, da die Durchblutung zum Kind so gut wie weg war – also musste er schnell geholt werden.
Alles ging plötzlich so verdammt schnell. Ich wurde für den OP vorbereitet, meine Mutter passte auf meine Tochter (9 Jahre) auf und mein Mann ist mit mir in den OP. 14:58 Uhr hörten wir den kleinen aber kräftigen Schrei – unser Wunder war da! Ich lag auf dem OP-Tisch und die OP-Schwester ging schnell mit dem kleinen Danilo ins Nebenzimmer, wo ein Team von Ärzten stand. Die Angst bei uns wurde immer größer. Ein Fenster, was uns in den Raum schauen ließ, wo die anderen Menschen mit Danilo waren, war der einzige Punkt, wo man nur die ganze Zeit hingeschaut hat. Wir wollten unbedingt wissen, was mit unserem Wunder ist. Dann die Erlösung: einer der Ärzte drehte sich herum und zeigte uns einen Daumen nach oben und wir konnten vor Freude nur Weinen. Er war da! Danilo – geboren am 24.03.2025 um 14:58 Uhr mit 475 g und 28 cm.
Ich wurde mit meinem Bett zu Danilo auf die Neonatologie gefahren. Das erste Mal, dass ich und mein Mann den Kleinen sehen durften. Es war wunderschön, aber auch beängstigend. So klein, zerbrechlich und noch nicht richtig auf der Welt angekommen durften wir auch schon Kuscheln, womit ich niemals gerechnet habe, aber wir haben es in vollen Zügen genossen.
Auf Station verlief alles super. Er nahm sofort zu und alles war gut. Doch dann der Schock … am 09.04.2025 gab es eine Not Operation bei dem Kleinen, wegen einem Leistenbruch mit eingeklemmtem Darm und ein Stoma musste angelegt werden. Die 2 Stunden der OP waren die absolute Hölle für uns. Dann der erlösende Anruf: alles ist gut verlaufen wir dürfen vorbeikommen. Der Anblick von dem kleinen zerbrechlichen Wesen war unerträglich. Er war sehr eingelagert mit Wasser und schlafend mit Tubus im Mund. Die Tage vergingen und 2 Bluttransfusion waren nötig, damit die Werte sich stabilisieren. Der Tubus musste längere Zeit drinnen bleiben, da die Lunge noch Zeit brauchte. Wir durften mit Danilo jeden Tag kuscheln – auch mit Tubus, was gar nicht so leicht war. Viele Tränen flossen in der Zeit, trotz positiver Nachrichten. Er nimmt zu und die Werte sind gut. Am 05.05.2025 waren wir den Tubus endgültig los und die Freunde war riesig. 2 Wochen später der nächste Schock: die Infektionswerte waren stark erhöht und er brauchte Antibiotika und weitere Bluttransfusionen.
Auf Station wurden wir an die Hand genommen – man erklärte und zeigte uns alles: worauf wir achten müssen, wie die Geräte funktionieren.
Die Tage vergingen, und die Schwestern mussten sich täglich mit dem Stoma herumschlagen, weil der Beutel nicht immer halten wollte.
Am 03.07.2025 wäre der errechnete Geburtstermin gewesen…. die Ärzte sagten uns, dass am 08.07.2025 die Rückverlegung des Stomas geplant sei und wir haben uns gefreut. Die OP verlief perfekt und jetzt hieß es sich erholen. Am 05.07.2025 gab es den nächsten Meilenstein: von CPAP zu einer leichteren Atemunterstützung (Airvo), die mobil ist und wir durften das erste Mal aus dem Zimmer heraus und mit dem Kinderwagen auf der Station fahren. Das war ein Gefühl, was man nicht beschreiben kann. Voller Glück und Freude. Ein Stück Normalität und ein kleines Stück Freiheit…
13.07.2025, der Tag der Verlegung auf die Nachsorgestation und damit der letzte Schritt Richtung Zuhause. Nun ging alles Schlag auf Schlag. Die Geräte wurden beantragt, da Danilo mit der Sauerstoffunterstützung nach Hause darf. Knapp zwei Wochen später kam der Tag, den man sich so lange herbei gewünscht hat. Ein Tag voller Emotionen: WIR DÜRFEN NACHHAUSE! Es bereitet uns, nach über 4 Monaten, immer noch Gänsehaut. Ein super Nachsorge Team wurde uns an die Seite gestellt, die uns auch noch heute Tag und Nacht unterstützen. Man musste erst einmal lernen, mit allen Geräten zurecht zu kommen und dass man nicht so frei ist, wie man gehofft hat.
Dem kleinen Kämpfer geht es gut und er wiegt jetzt 3995 g und ist 50 cm groß. Es stehen noch Nachsorge- und Kinderarzttermine an, aber der nächste Schritt ist: die Sauerstoffhilfe endlich loszuwerden!
Mit lieben Grüßen, die Mama von Danilo
